Icebreaker

Icebreaker sind (meistens) kurze Spiele oder Rätzel die den Neueinstieg oder den Wiedereinstieg nach einer Pause zu einer Veranstaltung ermöglichen sollen. Ich sammle seit auf Iweihs.net unter http://www.iweihs.net/wp/archives/category/kopfjogging/gehirnjogging schon seit längerem Rätzel und Spiele die sich für diesen Zweck eignen. Darüber hinaus habe ich hier einige weitere Icebreaker dokumentiert.

Teamentwicklung

Herkunft und Hintergrund:

Das Spiel “Bauer, Jäger, Wirt, Schamane” (Krüttgen, 2011) ist eine unterhaltsame und kurzweilige Alternative zu schwergewichtigen Persönlichkeitstests mit Fragebogen und Auswertungen. Dabei stehen die vier Berufe jeweils für einen Persönlichkeitstyp, der zunächst gemeinsam von den Teilnehmern definiert wird.

Ziele:

gegenseitiges Kennenlernen der Teammitglieder und Beobachtung der möglichen informellen Rollen im Team

Gruppengröße:

max. zehn Teilnehmer

Dauer:

ca. 30 Minuten

Materialien:

Flipchart, Klebeband

Ablauf:

Zu Beginn des Spiels definiert die Gruppe gemeinsam die typischen Eigenschaften der Berufe, idealerweise auf Flipchart-Papier (ein Blatt pro Beruf). Z.B. so:

der zielsichere Jäger, ausdauernd und schnell, konsequent, seinem Instinkt vertrauend, den Abschuss im Auge der kommunikative Wirt, ein Netzwerker, unterhaltsam, gesellig und genussorientiert, empathisch, eher ein Schlichter, kundenorientiert der geduldige Bauer, beständig, mit einem Blick für Traditionen, diszipliniert, bewusst im Umgang mit Ressourcen, bescheiden und achtsam der Schamane, der sich auf seine Intuition verlässt, visionär ist, Impulsgeber, charismatisch und begeistern kann

Es kommt nicht auf eine möglichst genaue, “richtige” Definition der Berufe an, sondern auf ein in der Gruppe gemeinsam abgestimmtes Verständnis darüber, was die einzelnen Berufe bzw. Persönlichkeitstypen ausmacht.

Danach werden die vier Definitionen der Berufe in den Ecken des Besprechungsraums aufgehängt und die Mitarbeiter platzieren sich zu “ihren” Berufen. Dabei sind auch Zwischenpositionen erlaubt: Also z.B. etwas Bauer und etwas Wirt. Nach der Platzierung sollte jeder Mitarbeiter noch etwas zu seiner Positionierung sagen: Warum fühlt er sich als Jäger? Was zeichnet ihn als Schamane aus? Wenn sich die Teammitglieder schon etwas besser kennen, z.B. aus früheren Projekten, bietet sich eine Variante an, bei der jeder Mitarbeiter zunächst verdeckt seinen Beruf auf einem Blatt Papier notiert und die Gruppe ihm den von ihr vermuteten Beruf zuordnet. Dann erst enthüllt er seine eigene Selbsteinschätzung. Bei diesem Abgleich von Selbstbild und Fremdbild kommt es oft zu anregenden Gesprächen und teilweise überraschenden Erkenntnissen – sowohl für den Einzelnen als auch für die Gruppe. Hier ist es besonders wichtig, dass der Projektleiter darauf achtet, dass der Umgang der Teammitglieder untereinander wertschätzend ist. Gegebenenfalls sollte er aktiv eingreifen, wenn für ihn erkennbar wird, dass sich ein Mitarbeiter mit dem ihm gespiegelten Fremdbild unwohl fühlt. Ziel des Spiels ist nicht, sich bewertendes Feedback über beobachtetes und möglicherweise unerwünschtes Verhalten zu geben, sondern sich gegenseitig kennenzulernen. Eine weitere Variante dieses Spiels benutzt nicht die genannten Berufe, sondern bekannte Rollen aus Film und Fernsehen, wie z.B. Captain Kirk, Spock, Pille und Scotty, denen das Team in einem ersten Schritt ebenfalls Charaktereigenschaften zuweist.

Fazit und Bewertung:

Dieses Spiel hilft dem Projektleiter und den Teammitgliedern, sich ein erstes, sehr greifbares “Stellvertreter-Bild” voneinander zu machen. Dieses Bild bleibt naturgemäß oberflächlich und tendenziös: Nur, weil sich jemand für die Rolle des Spock entscheidet, heißt das ja noch lange nicht, dass er tatsächlich in jeder Lebenslage völlig emotionslos und rational handelt. Deshalb ist bei der Anwendung der aus diesem Spiel gewonnenen Erkenntnisse natürlich Vorsicht geboten. Besonders dann, wenn das Selbstbild nicht durch ein Fremdbild bestätigt werden kann: Im Rahmen eines Rollenspiels liegt es durchaus nahe, dass sich ein Bauer als Schamane ausgibt, weil er das immer schon mal sein wollte! Trotzdem liegt der Projektleiter sicher nicht völlig daneben, wenn er eine terminkritische Projektaufgabe eher einem echten Jäger gibt als einem Wirt. Das Spiel setzt eine gewisse Offenheit und gegenseitiges Vertrauen der Mitglieder der Gruppe untereinander voraus. Insofern kann es sinnvoll sein, wenn der Projektleiter in der Selbstbild-Fremdbild-Spielvariante zu Beginn des Spiels verbindlich die Regel vorgibt, dass die geäußerten Einschätzungen vertraulich behandelt werden und innerhalb der Gruppe bleiben. Hat der Projektleiter Bedenken, dass es einzelnen Mitarbeitern eventuell an der notwendigen Selbstreflexion und Kritikfähigkeit für diese Übung fehlt, so sollte er eventuell auf andere Gruppenspiele ausweichen. Drei weitere, etwas weniger persönlichkeitszentrierte Gruppenspiele, die Sie als Projektleiter in der Orientierungsphase zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Vertrauensbildung einsetzen können, finden Sie im Artikel “Günstig, aber nicht umsonst. Teambildung muss nicht teuer sein!”, Projekt Magazin 24/2012.

Quellen:

Projektmagazin - Artikel Teamentwicklung im Projekt so klappts - Teil 1 - http://www.projektmagazin.de/artikel/teamentwicklung-im-projekt-so-klappts-teil-1_1077735

  • teamentwickung.txt
  • Last modified: 2016/01/15 13:04
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